Unsere Helden: Die Traktor-Pilger

In Traktortypen by Birthe0 Comments

Unzählige Male habe ich mit Johannes Thodam telefoniert, mit ihm am Telefon gescherzt und teils auch über seine ganz persönlichen Eindrücke, Gefühle, Erfahrungen gesprochen. Wochenlang fluteten er und Gerd Lemkens immer wieder meinen WhatsApp-Account mit Fotos vom Jakobsweg. Zwei Monate lang pilgerten die beiden Freunde vom niederrheinischen Nettetal ins spanische Santiago de Compostela – dank ihrer Berichte und Fotos bin ich immer auch ein wenig mitgereist.

Nun sitzen mein Kollege Nico und ich im Auto auf dem Weg zu Gerd und Johannes. Viele Gedanken schießen mir durch den Kopf. Wie es wohl sein wird, die beiden nun zu Hause zu treffen? Werden wir uns noch neue Dinge zu erzählen haben? Aber vor allem ist da ganz viel Vorfreude: Denn irgendwie sind wir über die zwei Monate auch zusammengewachsen. Da wird es doch höchste Zeit, sich endlich mal gegenüberzustehen!

Da sind sie also, Johannes und Gerd, in den schwarzen Hemden, die ihre Frauen ihnen am 1. Mai zum Aufbruch geschenkt haben: Vorne drauf steht „Der Weg ist das Ziel“, hinten sind ein Traktor und eine Karte von der Strecke zu sehen. Ihre beiden Trecker, der Schlüter AS 22 von Gerd und der Eicher EKL 15/II von Johannes, stehen in Johannes‘ Garten geparkt. Wir begrüßen uns strahlend und Johannes sagt: „Wie schön, dass wir uns endlich persönlich kennen lernen.“ Es kommt von Herzen. Gerds Frau ist schon da, Johannes‘ Lebensgefährtin trifft später noch ein. Wir plaudern, lachen, schwelgen in Erinnerungen. Gerd zeigt mir den Pilgerausweis, die Freunde holen ihre Urkunden heraus. Beide haben sichtlich Spaß an unserem kleinen Fotoshooting, Nicos Kamera klickt unentwegt. Schöne Motive, ein schöner Besuch bei tollen Traktormenschen!

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, eine Runde mit den beiden Traktorpilgern zu drehen. Es macht Freude, die Traktoren in Aktion zu sehen – und schon nach ein paar Minuten, die ich Johannes und Gerd hintereinander herfahren sehe, kann ich mir vorstellen wie die beiden unterwegs waren. Wie tief diese Freundschaft sein muss, um dieses besondere Abenteuer miteinander genießen zu können – trotz aller Widrigkeiten entlang des Weges.

Eine schöne Überraschung haben die beiden auch noch für uns. Sie bitten uns nach drinnen und köpfen einen Beaujolais aus Brouilly. „Den haben wir unterwegs geschenkt bekommen, und wollten ihn zu einem besonderen Anlass trinken“, sagt Johannes. Nico und ich sind gerührt, dass unser Besuch dieser besondere Anlass ist. Noch stundenlang könnten wir den beiden zuhören, immer mehr Geschichten fallen ihnen ein. Eine Reise, von der die Freunde noch lange Zeit zehren werden…

In eigener Sache: Als Journalistin wahre ich in der Regel Distanz und berichte daher auch sehr selten aus der Ich-Perspektive. Ich habe eine Weile überlegt, wie die „Home-Story“ über die Traktorpilger aussehen könnte und mich schließlich dazu entschieden, eine ganz persönliche Schilderung zu veröffentlichen. Lieber Johannes, lieber Gerd: Vielen Dank, dass wir Euch und Eure Traktoren auf dem Jakobsweg begleiten durften. Eure Birthe und Euer Nico

Gerds Schlüter AS 22 haben wir zum Traktor des Monats Oktober gemacht. Schaut mal rein!

Und hier geht es noch einmal zu allen Folge der Serie – falls Ihr was verpasst haben solltet:
Teil 1 – Mit dem Traktor auf dem Jakobsweg
Teil 2 – Regen, Pilgerfrühstück und Eiseskälte
Teil 3- Waschstraße auf dem Jakobsweg
Teil 4 – 1000 Kilometer sind geschafft
Teil 5 – Sonnenbrand und Deichselbruch
Teil 6 – Die Pyrenäen bezwungen
Teil 7 – Emotionale Ankunft
Teil 8 – Ans Ende der Welt und zurück
Teil 9 – Hühnchen mit Reis und große Hitze
Teil 10 – Auf der Zielgeraden nach Hause
Traktor-Pilger sind wieder zu Hause

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