Tour de Francis – Treckerempfang am Speyerer Dom

In Traktortypen by Birthe0 Comments

Als Francis Magnaldi am späten Nachmittag durch das alte Stadttor über die Maximilianstraße auf den Speyerer Dom zusteuert, fällt alle Anspannung der vergangenen Tage von ihm ab. Johannes Jochem von den Schlepperfreunden Römerberg ist mit dem Fahrrad und der französischen Flagge an seiner Seite und eskortiert das Gespann aus Oldtimertraktor und historischem Wohnwagen bis auf den Domplatz. Dort warten weitere Schlepperfreunde mit ihren MAN, McCormick und Porsche auf Francis und seine Lebensgefährtin Marie Therese. Doch nicht nur das: Auch Gérard Filippi, Präsident des französischen Unteroffiziersverbandes aus Speyer sowie Vertreter der hiesigen Pionierkameradschaft nehmen die Abenteurer in Empfang. Francis ist zutiefst gerührt.

Am 14. April ist Francis mit seinem Trecker, einem Renault 421 M, in seiner Heimatstadt Saint-Paul-en-Born nahe Mimizan aufgebrochen zu seiner ganz persönlichen Tour de France. Elf Tage und 1300 Kilometer später ist er an seinem Ziel in Speyer angekommen. Dort war Francis zehn Jahre lang als Soldat stationiert. Anlass war das Treffen der Schlepperfreunde Römerberg am 1. Mai – Francis wollte sich dort den Pokal für die weiteste Anreise sichern. „Das wird er wohl geschafft haben“, sagt Schlepperfreund Johannes Jochem. Allenfalls Schlüterfahrer könnten ihm noch ins Gehege kommen, aber für diese losen die Veranstalter ohnehin noch einen gesonderten Pokal aus; denn Schlüter ist in diesem Jahr Thema der Sonderausstellung.

Nur einmal geriet die Unternehmung zwischendrin ins Stocken: Bei Kilometer 762 brach eine Achse des Wohnwagens. Ein ehemaliger Armee-Kamerad von Francis stellte jedoch zum Glück seine Werkstatt für die Schweißarbeiten zur Verfügung, so dass es mit einem Tag Verzögerung weitergehen konnte. Auch für den Kühlschrank des Wohnwagens, der dann einen Tag später schlapp machte, fanden die Abenteurer schnell Ersatz. Der Trecker hingegen hielt die gesamte Strecke über ohne Murren durch. 14 Liter Diesel schluckte er im Schnitt auf 100 Kilometer. Die Vereinskollegen haben inzwischen einige Sprit-Sammelaktionen für die Reisenden gestartet.

Doch zurück zum Dom: Viele Telefonate waren notwendig, um dem Vereinskollegen aus Frankreich die Einfahrt mitten durch die Speyerer Altstadt zu ermöglichen, berichtet Johannes Jochem. Dort angekommen war nicht nur das Aufgebot an Oldtimertraktoren ein Hingucker, auch die französische Flagge zog viele Passanten an. „Es war sehr viel Französisch rundherum zu hören“, so Jochem. Francis und seine Lebensgefährtin erfreuten sich zudem am kühlen Bier aus der Domhof-Brauerei und Speyrer Brezeln, die die Schlepperfreunde ihnen reichten. Bis zum Treffen am 1. Mai campieren Francis und Marie Therese mit ihrem Wohnwagen beim zukünftigen Schwiegersohn, über den damals auch der Kontakt zu den Schlepperfreunden Römerberg entstand.

Als dieser dann Mitte vorigen Jahres im Verein von Francis Magnaldis Vorhaben erzählte, wollte Johannes Jochem das zunächst nicht glauben. In losen Abständen schickte Francis dann immer neue Fotos von den Umbauten und der Restaurierung des Renault-Treckers. Es gab neue Reifen, er überholte den Motor, baute eine Kabine darauf und montierte einen zweiten Sitz – 1300 Kilometer auf dem Seitenblech wollte der seiner Lebensgefährtin wahrlich nicht zumuten. „Irgendwann war mir klar: Der kommt wirklich“, erinnert sich Jochem. „Als es dann losging, haben wir alle mitgefiebert. Entsprechend groß war die Freude, als wir ihn in Speyer in Empfang genommen haben.“

Beim Treffen in Römerberg erwarten die Schlepperfreunde dieses Mal einen noch größeren Andrang als in den Vorjahren, schließlich haben sie eine „kleine Berühmtheit“ in ihrer Mitte. Das Telefon stand bei Johannes Jochem jedenfalls kaum mehr still, und erstmalig richtete der Verein ein Fahrerlager ein, um auch Gästen mit weiterer Anreise einen Übernachtungsplatz direkt auf dem Gelände des Treffens anbieten zu können. Manch‘ einer hat auch durchaus bereits Interesse an Francis Magnaldis Gespann bekundet. Doch der bleibt fest entschlossen: Am 3. Mai wollen er und Marie Therese sich wieder auf den ganzen langen Weg nach Hause an die Atlantikküste machen… mit dem Renault 421 M und dem Eriba-Wohnwagen.

Text: Birthe Rosenau; Fotos: Francis und Marie Therese sowie Reporterin Lena

Was bisher geschah:

Teil 1: 1300 Kilometer mit dem Oldtimertrecker

Teil 2: Von geschweißten Achsen und Achselschweiß

Wir begleiten Francis und seine Lebensgefährtin auf ihrer Reise – hier im Blog sowie auf Facebook und Instagram. Schaut doch mal vorbei. Und teilt gerne diesen Beitrag. Plant ihr auch eine längere Reise mit eurem Oldtimer-Traktor? Wir berichten gerne! Meldet euch über die Kommentarfunktion oder per Mail an birthe@traktormenschen.de

Reporterin Lena

Die Studentin Lena war für ein paar Stunden als „Rasende Reporterin“ im Einsatz. Mit Traktoren hatte sie vorher nichts am Hut, aber das Probesitzen auf dem MAN Ackerdiesel gefiel ihr sichtlich gut.

Treffen der Schlepperfreunde am 1. Mai

Für das Treffen in Römerberg eheben die Schlepperfreunde kein Nenngeld. Jeder Teilnehmer erhält eine Urkunde. Das Sonderthema sind in diesem Jahr Schlütertraktoren.
Pokalverleihung für Schlütertraktoren:

  • ältester Schlüter
  • weiteste Anreise auf der Achse
  • ältester Schlüterfahrer

Neben historischen Traktoren sind auch alte  Autos, Lastkraftwagen und Motorräder zu sehen. Die Veranstaltung ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und hatte 2017 bereits über 500 Aussteller und mehr als 3000 Besucher.

Das Programm:

10 Uhr Weißwurstfrühstück
11 Uhr Eröffnung durch den Römerberger Bürgermeister Manfred Scharfenberger
13.30 Uhr Vorstellung der Schlütertraktoren
14.30 Uhr Zumba Tanzvorführung
15 Uhr Tombola
Tagsüber: Traktorrundfahrten, Hüpfburg, Hubschrauberrundflüge, Kinderrallye, Kuchenbuffet, Hauptuntersuchung für Traktoren

www.schlepperfreunde-roemerberg.de

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