Teil 7: Emotionale Ankunft

In Traktortypen by Birthe3 Comments

Seit heute Mittag parken die beiden Oldtimer-Trecker sicher im dritten Untergeschoss eines Parkhauses mitten in Santiago de Compostela. „Der Beschäftigte dort war total aus dem Häuschen als er uns gesehen hat und hat uns direkt durchgewunken“, erzählt Johannes Thodam, „wir parken dort nun zwei Tage lang für ’nen Appel und ’n Ei.“ Nach 30 Tagen haben es die beiden Traktor-Pilger geschafft: Gerd Lemkens und Johannes Thodam sind am Ziel ihrer langen Fahrt angekommen, haben den Camino mit ihrem Eicher EKL 15/II und ihrem Schlüter AS 22 gemeistert. „Wir zollen unseren Schmuckstücken Respekt für diese Leistung“, sagt Thodam.

Nach 2851 Kilometer auf eigener Achse sind die Schlepper exakt um 11.11 Uhr über die Stadtgrenze gerollt – oder vielleicht sollte man eher schreiben gerumpelt. Die engen Gässchen des Wallfahrtortes sind mit senkrecht stehenden Schieferplatten gepflastert. „Da kann man mit einem Trecker noch so vorsichtig fahren, jeder Stein fühlt sich an, als würde man direkt in den Himmel geschossen“, berichtet Johannes Thodam lachend. Angestrengt suchten sich die Traktor-Pilger ihren Weg zur Herberge. Sie passierten da zwar bereits die Kathedrale, aber entschieden sich dafür, zunächst einen Parkplatz für die Traktoren zu suchen.

Dann wurde es sehr emotional, wie die beiden Freunde berichten. Seit dem 15. Jahrhundert empfängt immer ein Dudelsackspieler die Pilger, die die Kathedrale besuchen. So auch heute. Gerd Lemkens und Johannes Thodam grüßten den Musiker von einem Kollegen aus ihrer Heimatstadt Nettetal und zeigten ihm ein Video: Die beiden Pilger waren bei ihrer Abfahrt am 1. Mai nämlich von einem Dudelsackspieler verabschiedet worden. Er hatte damals ein Pilgerlied gespielt – und genau dieses gab nun auch der spanische Dudelsackspieler zum Besten.

In der Kathedrale fiel dann endgültig alle Anspannung von den Pilgern ab. Als sie es den Anderen nach taten und die Jakobsfigur von hinten umarmten, kullerten die Tränen. „Da wird einem erst so langsam klar, was man die letzten Wochen gemacht hat“, sagt Thodam. 30 Tage lang fuhren die Freunde den größten Teil des Tages schweigend hintereinander her. Nur während der Pausen tauschten sie sich kurz über ein paar Dinge aus und planten die weitere Route. Abends fielen sie meist vor 21 Uhr hundemüde ins Bett. „Es gab in all der Zeit kein böses Wort zwischen uns“, beteuern sie einhellig. Und auch ihre Frauen standen von Anfang an und während der gesamten Reise hinter ihren Männern. „Ein großes Dankeschön an die Zwei! Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt Johannes Thodam.

Ihre Pilgerurkunden haben sich die beiden schon abgeholt (oben rechts). Morgen wollen sie nun zunächst einen Ruhetag einlegen. Am 1. Juni geht es dann knapp 90 Kilometer weiter bis nach Kap Finisterre – das Ende der Welt. Von dort aus werden die Pilger über die Nordroute – entlang des Atlantiks – die Heimreise antreten. „Wir werden da im gleichen Rhythmus bleiben wie schon auf der Hinfahrt“, verrät Thodam. Die Etappen werden 80 bis 100 Kilometer umfassen, die Reise eher noch länger dauern, da es ein paar Kilometer mehr sind. „Wie wir vorankommen, liegt auch am Wetter“, sagt Johannes Thodam. Kaum zu glauben: Aber auf der Hinfahrt hatten die beiden Traktor-Pilger tatsächlich an 21 von 30 Tagen Regen…

Mehr zu den Pilgern:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 8

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Comments

  1. Hallo Ihr beiden,
    Wir (Radfahrerpaar aus Regensburg) haben uns sehr gefreut, dass wir euch nochmal in Spanien getroffen haben.
    Wir waren auch noch in Finisterre und in Muxia, hatten sogar Badewetter und sind am 9.Juni zurück geflogen
    Es ist schön wieder daheim zu sein, aber wir müssen erst mal wieder „ankommen“. Die 6 Wochen waren eine super schöne Zeit für uns.
    Liebe Grüße und gute Heimfahrt
    Angela und Klemens

  2. War schön euch getroffen zu haben und mit euch am Campingplatz gegessen zu haben. Ihr seid 2 „wuide Hund“ (wilde Hunde) wie man bei uns in Bayern sagt! Weiterhin gute Fahrt und ein schönes Wetter wünscht euch zweien Rupert aus Rosenheim.

  3. das ist wirklich super – wir haben euch kurz gesehen gerade nach der reparatur in einem kleinen ort am lot – iihr wart dort die sensation – wir sind nur bis cahors gewandert – ihr habt wirklich ein ganz starkes stueck geschafft – bravo –
    jacques, gabie, gerard et nicole

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