Traktor-Pilger

Teil 1: Mit dem Traktor auf dem Jakobsweg

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Die Arbeitsteilung ist ganz klar geregelt: Johannes Thodam ist der Planer, Gerd Lemkens der Schrauber. „Gerd ist meine technische Lebensversicherung“, sagt Thodam und lacht. „Aber natürlich mache ich mir auch gerne die Hände schmutzig und helfe wo ich kann.“ Monatelang haben sich die beiden Männer aus Nettetal-Hinsbeck auf ihr Abenteuer vorbereitet. Sie wollen auf dem Jakobsweg pilgern – soweit so unspektakulär. Jedoch nicht zu Fuß, nein, sie brechen am 1. Mai mit ihren beiden Oldtimer-Schleppern auf, um Mitte bis Ende Juli schließlich in Santiago de Compostela anzukommen.

80 Kilometer pro Tag
Über 2000 Kilometer müssen sie dafür zurücklegen. „Die genaue Route zu planen, war sehr knifflig“, berichtet Thodam. Schließlich wollen sie ins erster Linie Nebenstraßen und Feldwege nutzen. Johannes Thodams Eicher EKL 15/II läuft bis zu 18 Kilometer pro Stunde, Gerd Lemkens‘ Schlüter AS 22 ebenfalls. „Wir wollen zwischen 80 und 120 Kilometer pro Tag schaffen“, berichtet Lemkens. Der Landmaschinenschlosser hat beide Traktoren vor der Abfahrt noch einmal auf Herz und Nieren gecheckt. Beide haben neue Kupplungen und neue Bremsbelege erhalten.

Sowohl der Eicher als auch der Schlüter sind Baujahr 1956 und wurden von den Besitzern und weiteren Vereinskollegen der Schlepperfreunde Hinsbeck-Nettetal umfassend restauriert. Der Eicher EKL 15/II hat einen luftgekühlten Einzylinder-Viertakt-Dieselmotor von Eicher mit einem Hubraum von 1,425 Litern. Er schöpft daraus 16 PS bei 1500 Umdrehungen pro Minute. Der Schlüter AS 22 schöpft aus seinem Zweizylinder-Viertakt-Dieselmotor von Schlüter mit einem Hubraum von 2,356 Litern 22 PS bei 1500 Umdrehungen pro Minute.

Die Hinfahrt führt die beiden Freunde durch Luxemburg und Frankreich über die Pyrenäen (Camino Francés) nach Spanien, die Rückfahrt am Atlantik entlang (Camino del Norte). „Wenn wir schon so langsam fahren, möchten wir auch etwas von der Gegend sehen“, meint Lemkens.

Gerd ist meine technische LebensversicherungJohannes Thodam, Pilger

Damit unterwegs nichts schief gehen kann, haben sie in einem kleinen Anhänger eine Grundausrüstung an Werkzeugen dabei. Thodam führt an seinem Traktor zudem eine Abschleppstange mit. Bereits als Jugendliche unternahmen die beiden 65-jährigen gemeinsame Touren. Lemkens stieß vor drei Jahren zu den Treckerfreunden; dort ist sein Freund Gründungsmitglied und Vereinsvorsitzender. Gemeinsam kamen sie auf die Idee, etwas Größeres machen. Alle zwei Jahre fahren die Vereinskollegen mit zehn bis zwölf Traktoren an die Mosel – immerhin auch 240 Kilometer pro Strecke auf eigener Achse.

Gerd Lemkens hatte bereits vor vier Jahren den Jakobsweg mit dem Fahrrad bewältigt. So kam die Idee, diese Tour nun per Traktor anzutreten. „Es ist fast die gleiche Strecke wie mit dem Fahrrad“, so Lemkens. „Daher kenne ich sie schon etwas. Auf den Anstiegen in den Pyrenäen werden wir mit unseren langsamen Treckern sicher ein Verkehrshindernis sein. Aber da müssen wir und die Anderen durch.“

Pilger-Tagebuch

Wir berichten fortlaufend wie es den beiden Pilgern auf ihrem Weg ergeht. Abonniert am besten unseren Newsletter, um nichts zu verpassen.

Ein anderes Thema, das die beiden Abenteurer einfach nehmen müssen wie es kommt: Das Wetter. Keiner der Schlepper hat eine Kabine oder ein Wetterschutzdach. Um das Ziel in der geplanten Zeit zu erreichen, müssen Thodam und Lemkens aber natürlich auch bei Regen fahren. „Dafür haben wir wasserdichte Motorradkleidung dabei und australischen Känguru-Stetsons. Die schützen auch vor Regen“, berichtet Thodam.

Weg ist das Ziel
Übernachten wollen die beiden nach Möglichkeit in Pilgerhostels, Verpflegung soll es am Wegesrand geben. Von ihren Ehefrauen erhielten sie Schutzkreuze mit dem Symbol „Der Weg ist das Ziel“. Diese führen sie an den beiden Treckern mit. Dazu schenkten ihnen die Frauen Hemden mit dem Aufdruck der geplanten Hin- und Rückroute. Nicht nur die Vereinskollegen sind neidisch auf das bevorstehende Abenteuer, auch die Frauen wären gerne mitgekommen. „Aber zweieinhalb bis drei Monate auf einem Kotflügelsitz- das kann man wirklich keinem zumuten“, findet Thodam. Seine Lebenspartnerin Inge Thiel, Lebenspartnerin nimmt es mit Humor: „Da kann ich endlich mal in Ruhe Wohnung und Haus auf Vordermann bringen“, meint sie, lachend. Schließlich sei er ihr dann endlich mal aus den Füßen.

Text: Heinz Koch und Birthe Rosenau; Fotos: Franz-Heinrich Busch und Pixelio

Mehr von den Pilgern gibt es hier:
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 10
Traktor-Pilger sind wieder zu Hause

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