Manni und die Bulldogs

In Traktortypen by Birthe0 Comments

Immer mehr Menschen scharen sich um den Hanomag-Hentschel-Laster. Auf dem Treffen in Twistringen hat sich herumgesprochen, dass Manfred Brinschwitz hier gleich einen ganz besonderne Lanz Bulldog anschmeißen wird. Fast 80 Jahre hat der Acker-Schlepper auf dem Buckel. „14 Jahre mehr als sein Besitzer“, sagt Brinschwitz und schmunzelt. Ob der Bulldog gleich anspringen wird? Manfred Brinschwitz, den eigentlich alle nur „Manni“ nennen, ist zuversichtlich. Und tatsächlich, alles läuft nach Plan. Mit dem abnehmbaren Lenkrad – übrigens noch das Originalteil von 1938 – pendelt er den Motor an. Einen kleinen Moment dauert es, doch dann ist das typische Klopfen des Zweitakt-Motors mit einem liegenden Zylinder zu hören. Die Menge aplaudiert, Manni zeigt erhebt die Hand zum Siegeszeichen.

Kurioser Fund

Vor 20 Jahren fanden Mensch und Maschine zusammen. „Das ist eine kuriose Geschichte“, sagt Manni Brinschwitz. Völlig eingewachsen unter Gestrüpp fand der Motorenschlosser den Acker-Bulldog vom Typ D 7500. Seine Theorie: Da während des zweiten Weltkrieges Traktoren eingezogen worden für die Front, versteckte der damalige Besitzer den Torso. Die Eisenräder und die Einspritzanlage hatte er zuvor abmontiert.
Obwohl Brinschwitz gleich klar war, dass da viel Arbeit auf ihn warten würde, war der Lanz-Fan sofort Feuer und Flamme. Drei Jahre lang setzte er den Bulldog technisch wieder in Stand. Optisch durfte der Urzustand bleiben. „Diese hochpolierten und lackierten Oldtimer, das ist doch nichts“, findet er. Das raube den Fahrzeugen nur ihre Seele. Der D 7500 ist übrigens nicht der einzige Bulldog in Mannis Sammlung. Wie groß diese ist? „Schon so, dass ich an jedem Wochentag einen anderen fahren kann“, sagt er und schmunzelt.

Leistungspflügen? Klappt noch!

Die Vorderräder für den Bulldog hat Manni Brinschwitz selbst gewalzt, die Hinterräder erstand er in Hamburg. Für die Fahrt auf der Straße hat der Traktor aufgesetzte Laufringe. Der rechte davon ist noch ein Original, den anderen hat Brinschwitz ebenfalls selbst nachgebaut. An manchen Stellen hat der Rost schon große Löcher in den Schlepper gefressen. Und mit 6,3 km/h ist der betagte Lanz kein Geschoss. Doch dass er immer noch kraftvoll ist, beweist Manni Brinschwitz regelmäßig beim Leistungspflügen. Da ziehen der Traktor und sein Mensch alle Blicke auf sich… wie eigentlich bei jedem Treffen.

Lackieren? Das raubt dem Traktor nur seine Seele!Manni Brinschwitz
Links: Für das Treffen in Brokstedt in Schleswig-Holstein ging es sogar mit Hanomag-Laster und Bulldog auf die Fähre. Rechts: Anschmeißen des Bulldogs bei einem Treffen in Twistringen.
Ständig auf Achse

Manfred Brinschwitz versteht sich seit einigen Jahren als so etwas wie ein „Botschafter für historische Landmaschinen“. Gemeinsam mit Heino Hünken besucht er viele Treffen nah und fern mit dem Bulldog von 1938. Aber das ist noch nicht alles. Direkt bei sich vor der Haustüre betreut Brinschwitz regelmäßig Naturprojekte mit Schulklassen. Mehr dazu lesen kann man in Mannis Blog, den Heino Hünken für ihn pflegt.

Ein kleines Video vom Sound des D 7500 gibt es auf unserem Youtube-Kanal.

Text: Birthe Rosenau
Fotos: Nico Hertgen und Heino Hünken

Mehr lesen?

Den folgenden Text haben wir von Heino Hünken übernommen: Der Lebenslauf des D 7500

„Im Jahre 1938 konnte ich als Lanz-Bauern-Bulldog Typ 7500 mit der Fahrgestellnummer 178004 das Fließband der Bulldogschmiede in Mannheim verlassen. Mit der deutschen Reichsbahn auf einem offenen Rungenwagen verladen, ging es von Mannheim in den Norden an die Nordseeküste. Um die Nahrungsmittelfreiheit des deutschen Vokes zu sichern, musste ich bei einem Bauern Ackerflächen bewirtschaften, um größtmögliche erträge zu erzielen.

Der Arbeitstag war schwer und lang. An Arbeitskräften herrschte Mangel, und ein vermehrter Einsatz von Pferdegespannen oft aus vielerlei Gründen kaum möglich. Der Bauern-Bulldog ist der größte Helfer. Mit den verwendbaren Zusatzgeräten kann der Bauer schneller und wirksamer arbeiten und die Leistung erhöhen. Vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ich von meinem damaligen Besitzer außer Betrieb gesetzt, um einer Beschlagnahmung zu entgehen. Die Einspritzpumpe wurde abgebaut und vergraben. Meine Räder abgebaut und versteckt. So wurde ich außer Gefecht gesetzt und unbrauchbar gemacht.

Im Sperrgebiet des Flugplatzes wurde ich an einem Steinhaufen abgelegt. Mein Ende war gekommen. Im wahrsten Sinne des Wortes kann man sagen: Es wuchs Gras über die Sache.

Nach Kriegsende der Aufbau, es ging wieder los. Ackern, Pflügen und Feldarbeit. Ich werde wieder gebraucht! Hoffnung kam auf. Aber es kam keiner, der mich aus meiner misslichen Lage befreite. Warum kam keiner? Vielleicht im Krieg geblieben oder verstorben, man weiß es nicht. Der Witterung ausgesetzt und total eingewachsen wurde ich tatsächlich nach über 60 Jahren durch Zufall wiedergefunden.

Es war schon eine technische Herausforderung für meinen neuen Besitzer, mich wieder zum Leben zu erwecken. Da meine äußerliche Erscheinung so erhalten bleiben sollte, wie sie war.

Drei Jahre Intensivstation, und es war geschafft. Neues Öl floss durch meine Adern, mit Wasser und Diesel wurde ich versorgt. Meine Nase wurde vorgewärmt. Anpendeln mit dem Lenkrad und meine Atmung setzte ein. Und dann passierte für mich und meinen Besitzer ein kleines Wunder: Nach über 70 Jahren, am 11. März 2015, schläft mein Herz wieder selbstständig im Bulldogtakt wie damals 1938. Ich bin eben ein Lanz-Glühkopfbulldog aus Mannheim. Ein dreifaches heiz vor, heiz vor, heiz vor!“

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