Krelingen – wo die wilden Treckerkerls wohnen

In Panorama, Traktortypen by Birthe0 Comments

Krelingen? Wo liegt denn das gleich? Das haben wir uns von den Traktormenschen auch gefragt als wir das erste Mal von den Treckerkerls gehört haben. Mittlerweile fragen wir uns vielmehr, warum haben wir diesen positiv-verrückten Haufen nicht schon früher kennengelernt? Bereits zum zweiten Mal haben zwölf der Bewohner des kleinen Städtchens im Heidekreis blank gezogen – für einen Kalender zum guten Zweck. Voriges Wochende in Vethem gingen beim Treckertreffen die ersten Exemplare des druckfrischen Kalenders über den Verkaufstisch. 400 Stück gibt es in der ersten Auflage – bei großer Nachfrage ist eventuell noch ein Nachdruck drin. Ab sofort kann der Kalender auch über die Seite www.treckerkerls.de bestellt werden. Wir haben die Treckerkerls im Juni besucht und ihnen beim Shooting für den Kalender über die Schulter geschaut.

Frank Ahrens kommt mit einem zufriedenen Grinsen auf uns zu. „Na, habe ich zuviel versprochen“, fragt er. In den vergangenen Wochen hat er alle Hebel in Bewegung gesetzt, um an diesem Samstagmorgen so viele Trecker verrückte Dorfbewohner wie möglich auf dem Marktplatz von Krelingen zu versammeln. Über 50 sind seinem Aufruf gefolgt, mit Kind und Kegel, Hund und Planwagen und natürlich reichlich kühlen Getränken stehen sie nun zwischen ihren Traktoren. Knapp 800 Einwohner hat der Ortsteil der niedersächsischen Gemeinde Walsrode – um die 80 Trecker gibt es dort. Bastian Riederer, der vor ein paar Jahren nach Krelingen zugezogen ist, erzählt mit einem Augenzwinkern: „Erst seit ich mir einen Trecker gekauft habe und mit diesem nun auch regelmäßig zum Holzmachen ausrücke, werde ich als vollwertiges Dorfmitglied akzeptiert.“

Immer auf Zack

Es ist ein buntes Treiben auf dem Platz und eine riesige Markenvielfalt: Deutz, Kramer, Fahr, Güldner, Schlüter, Eicher, John Deere, IHC, Fendt, Belarus – alles ist vertreten. Dazwischen flitzen die Kinder mit ihren Tretfahrzeugen. Auch Michael Fischer von der Zeitung Walsroder Markt ist gekommen. Gemeinsam mit ihm schauen wir uns das ganze Spektakel nun erstmal von oben an. Frank Ahrens hat nämlich an alles gedacht und auch einen Kranwagen organisiert. „Ja, die Treckerkerls sind immer sehr auf Zack“, sagt Fischer. Dass sie Krelingen jedoch zu solch‘ einer Berühmtheit verhelfen würden, hätte der Redakteur vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten.

Kurze Zeit nachdem er in der Zeitung verkündet hatte „Die Treckerkerls lassen die Hüllen fallen“ stand bei Frank Ahrens, sozusagen dem „obersten“ Treckerkerl, das Telefon nicht mehr still. Als dann noch der NDR für einen Dreh vorbeikam, verbreitete sich die Nachricht von den verrückten Kerlen aus Krelingen wie im Sturm. In den sozialen Netzwerken lief das Video rauf und runter. Angefangen hatte alles jedoch bereits vor zehn Jahren. Da hatten die Treckerkerls erstmal mit einem Nacktkalender für Aufsehen gesorgt. In den Kinos lief der Film „Calendar Girls“, und Christa Willenbockel fragte in eine lustige Bierrunde hinein: „Warum macht ihr sowas eigentlich nicht?“. Frank Ahrens grinst: „Sowas darf man einem Mann nie sagen.“ Kurze Zeit später waren sogar weitaus mehr Freiwillige gefunden als für die zwölf Kalenderblätter benötigt wurden.

Eigentlich war das Ziel, 100 Kalender für den guten Zweck zu verkaufen. „Aufgrund der großen Nachfrage mussten wir immer und immer wieder welche nachdrucken lassen“, berichtet Frank Ahrens. 650 Exemplare brachten die Treckerkerls schließlich an den Mann – oder wahrscheinlich weitaus öfter an die Frau. Bis nach Neuseeland, Brasilien, Argentinien und Kanada verschickten sie den Wandkalender. Mit dem Erlös sanierten sie einen Kindergarten und finanzierten das Kinderprogramm zum Erntefest. Die Krelinger lösten damit eine regelrechte Welle aus: Kurze Zeit später taten es ihnen zahlreiche Verbände, Vereine und Vereinigungen nach und ließen die Hüllen für den guten Zweck fallen.

Zwölf Partys gefeiert
Äußerst kreativ waren die Krelinger Treckerkerls nun bei der Neuauflage des Kalenders. Es ging in die blühende Heidelandschaft und zu einem alten Steingrab, immer mit den Treckern. Bei fünf Grad posierte einer der Treckerkerls im Moor beim Torfstechen, ein anderer setzte sich auf den Frontlader seines Traktors und angelte von dort aus im Krelinger See. Wieder ein anderer zapfte mit seinem Oldtimer am Trafohaus Strom, ein weiterer fuhr in alter Feuerwehruniform mit dem Trecker am Spritzenhaus vor. „Im Grunde haben wir zwölf Dorfpartys gefeiert“, gibt Ahrens zu. Denn bei den Ausflügen waren stets nicht nur die Models dabei, sondern auch die gesamten Familien mit Kaffee, Kuchen und anderem Proviant. Besonderen Spaß hatten alle beim Shooting für das Titelbild am Schafstall – das gleiche Motiv wie bereits vor zehn Jahren. Alle posierten dort gemeinsam in der Reihe, die entscheidende Stelle durch ein Holzschild mit der Aufschrift „Krelinger Treckerkerls 2018“ verdeckt. Dahinter parkten die dazugehörigen Trecker. „Man kann so gut sehen, dass unsere Trecker nicht so schnell altern wie ihre Besitzer“, scherzt Ahrens.

Fotografiert haben den Kalender die Frauen der Treckerkerls. „Immer mindestens vier von uns haben gleichzeitig draufgehalten, damit wir am Ende auf jeden Fall mindestens einen richtig guten Treffer haben“, erzählt Christa Willenbockel. 5.000 Fotos kamen auf diese Weise zustande, die dann gemeinschaftlich gesichtet und sortiert wurden. Ein Profi-Fotograf bearbeitete schließlich die zwölf Kalendermotive. Eine Auflage von 400 Stück soll es dieses Mal geben, der Erlös kommt der Krebshilfe zugute. Und danach? Sind erstmal die Krelinger Frauen dran, finden die Treckerkerls. Immerhin, eine „Miss Treckerkerl“ gibt es schon: Helga Decke trägt stolz den Aufdruck auf ihrem roten Top. Alles andere ist in Krelingen nur eine Frage der Zeit.

Ein Kalender im DIN-A3-Format kostet 15 Euro und kann über die Seite www.treckerkerls.de bestellt werden. Die Lieferzeit beträgt eine Woche.

Serie: Mein Trecker und ich

Folge 1 – Frank Ahrens

Vor zwölf Jahren erfüllte sich Frank Ahrens gewissermaßen einen Kindheitstraum: Er kaufte sich einen Güldner G 30, Baujahr 1965. „Auf so einem habe ich mit sechs Jahren das Traktorfahren gelernt“, erzählt er.
Der Trecker war jedoch sehr runtergekommen und musste von Grund auf technisch und optisch überholt werden. Bei dieser Gelegenheit erhielt er auch ein neues Verdeck und wurde komplett neu lackiert.
Mit dem Güldner fährt Ahrens zu Treffen in der Gegend oder er arbeitet mit ihm im Holz.

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