Kolumne Dr. Trecker – Zwölfer Lanz, zweiter Akt

In Schrauberecke by Birthe0 Comments

Erinnert ihr euch noch an die Kolumne vom 10. Dezember? Dort habe ich euch bereits von dem Zwölfer Lanz berichtet, der schon lange auf dem Gelände des Freilichtmuseums am Kiekeberg herumstand. Nun haben wir uns ihm also angenommen. Und Freunde, die Instandsetzung geht voran! Es sind teilweise sehr kleine und mühsame Schritte, ich hoffe es bleibt für euch interessant. Dieses Fahrzeug ist fast 100 Jahre alt. Gerade deswegen müssen wir mit viel Geduld und Feingefühl vorgehen, um das Material schonend zu zerlegen.

Für einen fast 100 Jahre alten Trecker sind die Teile oft schwer zu bekommen. Ein Glück, das Dr. Trecker von fährigen Handwerkern unterstützt wird, die die Teile "mal eben" an der Drehbank fertigen.

Mit dem Gabelstapler heben die Schrauber das Reglerschwungrad an, um es auf der Werkbank abzulegen.

Das Reglerschwungrad musste unbedingt von der Kurbelwelle, damit die Mechanik gecheckt werden kann. Denn es steuert die Motordrehzahl. Das Schwungrad fixierten wir mit einem Keil auf der Kurbelwelle. Dabei stellten wir fest, dass dieser Keil scheinbar schon Ewigkeiten nicht mehr demontiert worden war. Die über Jahre gewachsene Patina mit einer nicht unerheblichen Menge Rost machte die Sache auch nicht gerade besser. Wir haben verschiedene Methoden probiert. Der Keil sollte unbedingt in einem Stück demontiert werden, um ihn nicht ausbohren zu müssen.

Lagerdeckel
Reglermechanik
Kupplungsmechanik
Hinterachse
Kurbelwellenstumpf
Dreckskeil
Bremsbacken
Bremstrommel
Keil fast raus
Sanft erwärmen und abkühlen lassen

Letztendlich hat Gerd dann eine Abziehvorrichtung angepasst. Mit dem Brenner wurde mehrmals sanft erwärmt und abgekühlt, bis sich schließlich dieser Keil löste und sich widerwillig aus der Nut entfernen ließ. Nach etwa dreieinhalb Stunden konnten wir das Reglerschwungrad mit dem Gabelstapler anheben und auf der Werkbank ablegen. Beim Check danach stellten wir volle Funktionsfähigkeit fest. Dieser Check war für uns sehr wichtig – an diesem Bauteil fielen lediglich Schmierarbeiten an.

Der Achsantrieb erfolgt über eine Kettengetriebene Zwischenwelle. Bei dieser Welle waren beide Lager zerstört und ein Lagerdeckel war defekt. Bei genauerem Hinsehen stellten wir dann auch noch eine Beschädigung an der Welle fest. Einen neuen Lagerdeckel mussten wir anfertigen, die beiden Lager sind glücklicherweise noch fast hundert Jahre später gängige Normteile und wurden ersetzt. Glück gehabt! Die eingelaufene Buchse entfernten wir, und Gerd und Jürgen fertigten „mal eben“ das passende Neuteil auf der Drehbank an und arbeiteten dann die Welle nach. Fähige Handwerker sind einfach durch nichts zu ersetzen! Eine weitere benötigte Distanzscheibe fertigten sie ebenfalls auf der Drehbank an.

Das Modell auf Dr. Treckers Schreibtisch dient als kleine Motivationshilfe. Sieht gut aus, oder?
Bremanlage? Ein Spezialfall!

Die Bremsanlage ist recht einfach aufgebaut, aber scheinbar bei diesem Modell recht selten. Oftmals war nur eine Klotzbremse am Rad verbaut, unser Modell hat aber an den Rädern in den Antriebszahnkränzen richtige Bremstrommeln. Beim Ausmessen stellten wir eine gewisse Ähnlichkeit mit Hanomag Bremsbelägen aus der Nachkriegszeit fest. Diese haben wir dann auch besorgt und montiert. Die gangbare Bremsmechanik wurde lediglich mit neuem Schmierstoff montiert.

Der fehlende Bolzen in der Kupplungsmechanik war dann auch eher etwas für den kleinen Hunger zwischendurch.

Der kleine  Lanz ist ja schon im Originalformat recht schön anzusehen, warum nicht auch ein Modell anfertigen? Jürgen Vieregge, gelernter Landmaschinenmechaniker und Landtechnik-Ingenieur, schreckt ja vor nichts zurück! Jürgen hat dann anhand eines Ersatzteilkatalogs und den Abmessungen des großen Originals, die Ersatzteile am Computer gezeichnet und auf seinem 3-D Drucker ausgedruckt. Die Einzelteile wurden anschließend zusammengesetzt, und so war der kleine Zwölfer vor dem großen Zwölfer fertig. Respekt!

Fortsetzung folgt!

Euer Dr. Trecker alias Holger Hink

Du willst mehr über Dr. Trecker und das Freilichtmuseum erfahren? Dann lies‘ unsere weiteren Blog-Beiträge – du gelangst zu ihnen durch Klick auf eines der Bilder unten. Oder schau‘ dich auf der Seite des Freilichtmuseums um.

Dr. Trecker

Alle 14 Tage berichtet Dr. Trecker alias Holger Hink vom Freilichtmuseum am Kiekeberg von aktuellen und bereits abgeschlossenen Restaurierungsprojekten. Unterstützt wird der Werkstattleiter bei seiner Arbeit von den „Mittwochs-Schraubern“ im Museum.

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