Kolumne Dr. Trecker – Spezial-OP

In Schrauberecke by Birthe0 Comments

Ende 2016 entstand am Kiekeberg ein interessanter Kontakt nach Belgien: Marc Geerkens aus Meuween ist Händler für historische Traktoren und hat über 300 Fahrzeuge am Lager. Sein Angebot beginnt ungefähr beim Baujahr 1910 und endet um 1980. Herr Geerkens hat uns zu einem Traktorentreffen im August 2017 eingeladen. Dieses Traktorentreffen findet nur alle drei bis fünf Jahre statt und stellt eine Besonderheit dar. Denn dort sind nur Fahrzeuge und Maschinen mit einem Baujahr vor 1930 zugelassen. Da wir am Kiekeberg mit dem Gedanken spielen, irgendwann mal eine Tagesveranstaltung zu diesem Thema zu machen, mussten wir dort hin. Eine bessere Möglichkeit, um Kontakte zu Fahrzeugbesitzern zu knüpfen, würde so schnell nicht wiederkehren.

Ungewöhnliches Treffen: Nur Traktoren Anno 1930 oder jünger durften kommen - Glück für diesen Case-Schlepper
Auch der Hanomag WD28 von 1928 durfte schließlich noch mit

Okay, aber jetzt ging die Arbeit erst los. Auch im Freilichtmuseum am Kiekeberg gibt es nicht so viele Fahrzeuge vor 1930, und richtig betriebsbereit war davon keins. Der erste Gedanke war unser Hanomag WD28 von 1928, aber dieser stand zerlegt in der Werkstatt mit Kupplungsproblemen, den Aufwand konnten wir noch nicht einschätzen.
Die Wahl fiel dann auf unseren IHC Mogul 8-16, ein Fahrzeug von 1917 mit einem Benzin/Petroleummotor und zehn Litern Hubraum. Dieses Fahrzeug stand seit Jahren unbewegt in der Ausstellung, war aber zuvor gelaufen. Also schoben wir den Mogul mit seinen bescheidenen 3.000 Kilogramm Gewicht aus der Ausstellung und machten eine Bestandsaufnahme.

Erstaunlich guter Zustand

An diesem Fahrzeug ist so ziemlich alles anders als an neueren Fahrzeugen. Die Bestandsaufnahme ergab eine feste Kraftstoffpumpe, ansonsten sah alles sehr gut aus. Wir zerlegten die Kraftstoffpumpe und entrosteten den Pumpenkolben chemisch. Anschließend trugen wir Zinn auf und konnten Schleifen. Das Ganze montierten wir dann wieder mit einer neuen Stopfpackung. Das Motoröl wurde vorgepumpt, die Fettbuchsen gefüllt und der Kraftstoff vorgepumpt. Der Motor sprang innerhalb kürzester Zeit an, und wir machten uns an die erste Probefahrt. Das Ergebnis machte Mut: Mit ein wenig Übung würden wir das Fahrzeug würdig in Belgien präsentieren können.
Da wir nun noch einige Wochen Zeit bis zur Veranstaltung hatten, widmeten wir uns wieder unserem Hanomag und seiner Kupplung. Die Instandsetzung war relativ einfach, was Zeit und Aufwand betraf. So beschlossen wir, neben dem IHC Mogul auch ein norddeutsches Fahrzeug mit nach Belgien zu nehmen! Den Umgang, besonders das Starten der beiden Fahrzeuge in allen Betriebszuständen, mussten wir intensiv üben. Solange der Fahrer genug Muskelkraft hat springen sie auch an!

Aufgeladen: Im Museums-Lkw der Hanomag, auf dem Hänger der IHC
Reifenwechsel unter erschwerten Bedingungen

Den Museums-Lkw, wegen der eher schwachen 140 Pferdestärken betriebsintern auch „Wanderdüne“ genannt, beluden wir mit dem WD28 und diversen anderen Sachen, auf den Anhänger kam der Mogul und los ging es. Reisen statt rasen war unsere Devise.
Langsam kamen wir dem Ziel näher, es waren noch etwa 120 km zu fahren, da verließ uns mit lautem Knall am Lkw der äußere rechte Hinterreifen. Der Reifen fing zum Glück nicht an zu brennen, und es fand sich nach der nächsten Autobahnausfahrt auch ein Reifenhändler, der uns einen Reifen aufziehen wollte. Die Sache hatte es in sich, das Rad saß sehr fest auf der Achse und wollte sich nicht demontieren lassen. Nach mehreren Versuchen haben die Herren den Reifen am Fahrzeug (!) von der Felge gezogen und einen anderen montiert! Respekt, so etwas hatte ich auch noch nicht gesehen.

Reiseübelkeit beim Hanomag

Am Freitagabend kamen Gerd Masemann und ich mit einiger Verspätung auf dem Veranstaltungsgelände an, wir haben noch eben dem Mogul vom Anhänger gefahren und haben dann Feierabend gemacht. Samstagmorgen haben wir dann den Lkw abgeladen. Der WD 28 schien unter nachhaltiger Reiseübelkeit zu leiden und wollte nicht anspringen. Mit viel Ausdauer und Geduld ließ er sich dann aber doch noch vom Lkw fahren. Das Angebot vom Veranstalter dieses Fahrzeug vom Lkw zu schleppen, lehnten wir dankend ab. Treckerfahrer-Ehre, der Schlepper wird gefahren!

Gegen Mittag kam dann die restliche Truppe an, Jürgen Vieregge ist freundlicherweise mit dem PKW gefahren und hat unseren unsere Chefs Herrn Zimmermann, und Herrn und Frau Wiese mitgenommen.
Wir haben unsere Fahrzeuge aufgestellt und an einem nostalgischen Marktstand hat sich unser Museum Samstag und Sonntag dem Publikum präsentiert. Es gab viele Vorführungen mit sehr vielen sehr exotischen Fahrzeugen und Maschinen. Unsere beiden Schlepper haben wir an beiden Tagen vielen interessierten Trecker-Enthusiasten bei Kaiserwetter vorgeführt. Am Sonntagnachmittag gab es Preise für Präsentation und Vorführungen, wir haben den zweiten Platz gemacht!

Es gab viele schöne Momente, viele Diesel- und Benzingespräche, sehr viele nette Kontakte zu anderen Sammlern und Museen, und abends haben wir dann noch in gemäßigter Menge sehr gutes belgisches Bier zu uns genommen. Am Sonntagabend luden wir alles wieder auf, und am Montag ging es zurück zum Museum. Die Möglichkeit, unser Museum auf einer so speziellen Veranstaltung dem Publikum zu präsentieren, wird so schnell nicht wiederkehren. Der Aufwand war groß, aber er hat sich wirklich gelohnt.

Euer Dr. Trecker alias Holger Hink

Dr. Trecker unterwegs mit dem Hanomag WD 28

Du willst mehr über Dr. Trecker und das Freilichtmuseum erfahren? Dann lies‘ unsere anderen Blog-Beiträge – du gelangst ganz einfach zu ihnen, indem du auf die Bilder unten klickst. Oder schau‘ dich auf der Seite des Freilichtmuseums um.

Ein paar bewegte Bilder gibt es unter den folgenden Links:

Film des Veranstalters
WD28 und WD26 in Fahrt
IHC Mogul

Dr. Trecker

Alle 14 Tage berichtet Dr. Trecker alias Holger Hink vom Freilichtmuseum am Kiekeberg von aktuellen und bereits abgeschlossenen Restaurierungsprojekten. Unterstützt wird der Werkstattleiter bei seiner Arbeit von den „Mittwochs-Schraubern“ im Museum.

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