Kolumne Dr. Trecker – Der Fuchs 301

In Schrauberecke by Birthe0 Comments

Im Freilichtmuseum am Kiekeberg gibt es ein Großprojekt: die Königsberger Straße. Dieses Projekt geht gerade von der Planungsphase in die Umsetzungsphase. Passend dazu sollte eine historische Schaubaustelle eingerichtet werden. Eine Kaelble Straßenwalze und eine dieselgetriebene Mischmaschine gab es schon, aber es sollte unbedingt ein Seilbagger mit Gittermast und Greifer her. Am 1. Mai 2017 zur großen Jubiläumsfeier sollte dann die Baustelle fertig eingerichtet sein. Wir schrieben Januar 2017 – und bisher kein brauchbarer, bezahlbarer Bagger in Sicht.

Der Bagger im Fundzustand.

Nach einigen Schrottbesichtigungen wurde Peter „Bagger“ Meyer – bekannt durch seinen betriebsbereiten Dampfbagger – zu Rate gezogen. Peter ist in der Baumaschinenszene sehr gut vernetzt und empfahl gleich einige Maschinen. Nach einigen Telefonaten stand ich im März mit Peter in Braunschweig und wir besichtigten zwei Fuchs 301, einmal mit mechanischer Lenkung mit montiertem Gittermast, der zweite Bagger hatte hydraulische Lenkung und es war eine Tieflöffelgarnitur montiert. Ein Gittermast und ein Greifer waren ebenfalls vorhanden. Dieses Fahrzeug wäre aber nur sehr zeitaufwändig vom Gelände zu bergen und schied deshalb leider aus.

Das Baggerherz schlägt

Also wurde der Bagger mit dem montierten Gittermast genauer untersucht. Technische Unterstützung kam von Peter Meyer und den Brüdern Tomforde vom Landtechnischen Museum Braunschweig. Ohne diese Helfer wäre der Kauf vermutlich nicht zustande gekommen. Der Bagger hatte etwa drei Jahre gestanden . Nach ungefähr 90 Minuten gelang es uns das Herz aus dem Hause Deutz (F2L712 ) zu starten. Diverse lose Kabel, eine defekte Kraftstoffpumpe, poröse Kraftstoffschläuche, eine verklemmte Winde und festgerostete Windenbremsen kosteten uns einiges an Energie. Aber irgendwann lief der Motor halbwegs zuverlässig, die Winden liefen und der Bagger führ vorwärts. Eine Betriebsbremse war nicht vorhanden, die Handbremse rastete nicht ein, und die Kraftstoffanlage zog immer wieder Luft, aber eine brauchbare Basis schien vorhanden. Diverse Ersatzteile wurden gesichtet und nach kurzer Zeit waren wir uns mit dem Verkäufer handelseinig und ein schriftlicher Kaufvertrag wurde geschlossen.

Erste Versuche: Die Technik des Baggers sagt noch nichts. Aber das Herz aus dem Hause Deutz schlägt schließlich.

Jetzt kam der schwierige Teil: Der Bagger musste von Braunschweig zum Kiekeberg. Also: Herumtelefoniert und einen Tieflader bestellt, natürlich ausreichend groß, um den Bagger im Stück zu transportieren.

Am 13. April 2017 dann der große Tag. Um zehn Uhr morgens traf der Lkw mit Tieflader in Braunschweig ein. Die erste Bilanz war erschütternd: Der Baggerarm war acht statt sieben Meter lang, der Tieflader war zwei Meter kürzer als besprochen. Also den Gittermast zerlegen, den Greifer demontieren. Der Weg zur Straße musste von diversen Paletten und Fahrzeugen  freigeräumt werden, an der Lenkachse des Baggers mussten zwei Räder montiert werden. Der Motor des Baggers starb wegen der defekten Kraftstoffanlage immer wieder ab, mit einem Gabelstapler zur Unterstützung führten wir das Fahrzeug dann irgendwann auf den Tieflader, demontierten Greifer und einen Teil des Mastes und verzurrten Bagger und Anbauteile. 

Um 17 Uhr  waren wir dann endlich abfahrtbereit, der LKW-Fahrer hatte zum Glück sehr viel Geduld. Um 21.15 kamen wir dann endlich am Museum an, anschließend fuhr ich dann den Lkw-Fahrer zu seinem PKW. Karfreitag war dann zum Luftholen und Ausschlafen.

 

Am Ostersamstag nahm ich morgens dann meinen Mut zusammen und fuhr den Bagger ohne Bremsen vom Tieflader und lud die Anbauteile vom Lkw. Nach der anschließenden dreistündigen Reinigungsprozedur mit dem Hochdruckreiniger waren Moos, sonstiger Bewuchs und leider auch ein Großteil der Farbe entfernt. Es wurden alle Scheiben demontiert, Roststellen beseitigt, der Heckbereich ausgebeult, Kraftstoffleitungen getauscht, Reifen umgezogen, die Handbremse gangbar gemacht, Bagger und Gittermast neu gestrichen, geschätzte 60 Schmiernippel und diverse Hebel gangbar gemacht, alle Öle gewechselt, alle Scheiben wieder eingesetzt, der Mast mit Seilen und Greifer wieder montiert.

Die Technik-AG am Kiekeberg hat mich bei diesen Arbeiten sehr gut unterstützt. Nur so gelang es, die Maschine am 1. Mai vorzuführen. Leider war der Zeitplan sehr eng, so entstanden leider fast nur Bilder ohne die fleißigen Helfer. Der Bagger war dann am 30. April betriebsbereit! Die Baggerarbeiten auf der Schaubaustelle gingen fast in Zeitlupe vor sich, da ich leider vor dem 1. Mai nur eine Stunde Zeit hatte, mich mit der Technik vertraut zu machen.

Der Bagger wird dem interessiertem Publikum im Museum gelegentlich vorgeführt, langfristig soll er wieder eine Betriebsbremse, eine überholte Lichtmaschine und neue Antriebsgelenke in der Vorderachse bekommen.

Dr. Trecker alias Holger Hink

Du willst mehr über Dr. Trecker und das Freilichtmuseum erfahren? Dann lies‘ unsere weiteren Blog-Beiträge – du gelangst zu ihnen durch Klick auf eines der Bilder unten. Oder schau‘ dich auf der Seite des Freilichtmuseums um – dort gibt es auch Informationen zum Projekt Königsberger Straße.

Ein Video des halbfertigen Baggers vor der Werkstatt am Kiekeberg gibt es auch auf Youtube.

Dr. Trecker

Alle 14 Tage berichtet Dr. Trecker alias Holger Hink vom Freilichtmuseum am Kiekeberg von aktuellen und bereits abgeschlossenen Restaurierungsprojekten. Unterstützt wird der Werkstattleiter bei seiner Arbeit von den „Mittwochs-Schraubern“ im Museum.

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