Kolumne Dr. Trecker – Aus Zwei mach‘ Eins

In Schrauberecke by Birthe0 Comments

Es sollte neben dem modernen Claas Ackerschlepper ein zweiter Schlepper auf dem Museumsgelände laufen. Natürlich passend zum Museum, natürlich etwas Altes. Aber bitte mit Dach und Hydraulik und mit Frontlader. Ein passendes Objekt schien im Museumsfundus vorhanden. Ein Hanomag C224 von 1959. Der erste Eindruck war – abgesehen von einigen Rostschäden – gar nicht der schlechteste, allerdings hatte dieser Schlepper am Museum wohl immer nur gestanden und war nicht gelaufen. Der Vorbesitzer war bekannt und beteuerte: „Ja der ist bis zum Schluss gelaufen.“ Bitte seid beim Fahrzeugkauf auf der Hut, wenn dieser Satz fällt…

Klaus und Uwe montieren die Hardyscheibe an der Getriebeglocke
Jürgen bei der Demontage der Kardanwelle

Die Technik-AG am Kiekeberg hatte sich frisch gegründet. Und da war es also: das erste Projekt der inzwischen etablierten „Mittwochs-Schrauber“ Jürgen Vieregge, Gert Masemann, Uwe Karsten, Klaus Dippman und meine Person. Ein tolles Team mit vielen Talenten. Der Check ergab erste Klarheiten. Der Motor hatte diverse gebrochene Kolbenringe, ein ausgeleiertes Rootsgebläse. Nach mindestens zwei Minuten Orgeln sprang er leidlich an. Aber nur wenn es nicht kälter als 20 Grad war…. Die Elektrik war Murks, die Reifen porös, das Dach nur in Fragmenten vorhanden, die Hydraulikzylinder und die Steuerung defekt. Alles in allem nicht die rosigsten Aussichten.

Der Plan: Ein Teileträger

Nach kurzer Recherche entstand der Gedanke, nach einem Trecker zum Ausschlachten Ausschau zu halten. In Schleswig-Holstein wurden wir fündig, wir kauften ein baugleiches Exemplar mit intaktem Motor, intaktem Dach und vier neuen (noch nicht montierten) Reifen. Aus zwei Schleppern sollte einer werden, die alte Patina weitestgehend erhalten bleiben. Den alten Motor des Schleppers in der Rahmenbauweise entfernten wir mit Getriebeglocke. Das neue Herz bekam einige Dichtungen und eine optische Kur, Lichtmaschine und Anlasser überholten wir in Eigenregie. Transplantation erfolgreich. Der Körper hatte das neue Herz sofort angenommen. Ein Glück!

Die Gebläseseite des Motors vor dem Einbau
Kupplungsglocke
Anlasserkollektor auf der Drehbank

Die Reifen sollten vom Reifenhändler aufgezogen werden. Jürgen war aber der Meinung: Wir machen das mal eben selber. Dank seiner Erfahrung waren dann auch relativ schnell vier Reifen mit Schläuchen montiert. Hinterreifen aufziehen ist gar nicht schwer mit der richtigen Methode. Das Hydrauliksteuergerät und die Zylinder für den Frontlader kamen vom Teileträger, die Zylinder haben wir natürlich vorsichtshalber neu abgedichtet. Den Kabelbaum rekonstruierten wir und schlossen alle Verbraucher neu an. Alle Blechteile konservierten wir unter Beibehaltung der Patina. Der Kollege Grebe vom Freilichtmuseum (Leiter der Abteilung Landwirtschaft) hat dann zwischendurch den halb fertiggestellten Traktor schon einmal getestet und für gut befunden.

Die vielen Tausend restlichen Kleinigkeiten (Scheibenwischermotor, Blinkkontrollen, fehlende Hupe, Motortemperaturanzeige, Öldruckleuchte, diverse Dichtringe und vieles mehr) arbeiteten wir akribisch ab. Schließlich konnten wir den Schlepper der Abteilung Landwirtschaft übergeben- Inzwischen ist er schon ein ganzes Jahr im Einsatz. Er ist ein fleißiger, aber auch treuer Helfer. Gelegentlich, immer dann wenn er mit wenig Last arbeiten muss, markiert er sein Revier mit einigen Tropfen Öl aus dem Auspuff… es lebt halt.

Dr. Trecker alias Holger Hink

Erste Probefahrt unter Last mit einem Miststreuer

Du willst mehr über Dr. Trecker und das Freilichtmuseum erfahren? Dann lies‘ unsere weiteren Blog-Beiträge – du gelangst zu ihnen durch Klick auf eines der Bilder unten. Oder schau‘ dich auf der Seite des Freilichtmuseums um.

Ein Video von Dr. Trecker und dem Hanomag beim Miststreuen gibt es auch auf Youtube.

Dr. Trecker

Alle 14 Tage berichtet Dr. Trecker alias Holger Hink vom Freilichtmuseum am Kiekeberg von aktuellen und bereits abgeschlossenen Restaurierungsprojekten. Unterstützt wird der Werkstattleiter bei seiner Arbeit von den „Mittwochs-Schraubern“ im Museum.

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