Kolumne Dr. Trecker – Artgerechte Haltung für den Hanomag

In Schrauberecke by Birthe0 Comments

Anfang 2017: Es reifte der Entschluss, den Hanomag WD28 von 1928 wieder zu aktivieren. Seit 2011 hatte er in unserer Ausstellungshalle gestanden. Das Fahrzeug läuft – nur die Kupplung ist verklebt. Das war die Aussage, mit der wir starteten. Hmm, sechs Jahre gestanden. Das ist nicht wenig.

Sechs Jahre lang hatte der Hanomag in der Ausstellung gestanden, bevor sich der Schraubertrupp den schmucken Schlepper vornahm.

Uwe und Jürgen nahmen sich die Kupplung vor.

Erst haben wir  das Fahrzeug genauer angesehen und dann die Handbücher gewälzt. Der Hanomag hat einen Vierzylinder-Motor, dieser wird mit Benzin über eine Kurbel gestartet und dann wird der Graetzin-Vergaser auf Petroleum umgeschaltet. Der Betrieb auf Petroleum ist nach wie vor möglich, aber für unseren musealen Gebrauch nicht unbedingt praktikabel. Die Kupplung ist eine Mehrscheiben-Kupplung mit Stahllamellen und Stahlreibscheiben im Ölbad.

Nach fünf Stunden lief der Motor sauber

Also den WD aus der Ausstellung in die Werkstatt geschoben und genau durchgesehen: Motor dreht, erstaunlich gute Kompression, Zündfunke vorhanden, Kupplung Fest, Vergaser und Tanks  (ein Tank für Benzin, einer für Petroleum )  voller Rost, Lenkung sehr ausgeschlagen.

Wir haben dann zuerst den Motor zum Laufen gebracht. Dazu wurde der Vergaser gereinigt, Ölstände kontrolliert, ein Behelfstank angebracht und der Vergaser-Schwimmer mehrmals nachjustiert. Es dauerte rund fünf Stunden bis der Motor endlich halbwegs sauber durchlief. Anschließend wussten wir auch warum irgendwann der Elektrostarter erfunden wurde. Schuhe ausziehen ging nach der Kurbelei auch ganz ohne Bücken –  so lang waren die Arme. 

Das Getriebe.

Der Motor.

Der Vergaser.

Dann ging es an das eigentliche Problem des Schleppers: die klebende Kupplung. Dazu muss der Schlepper zwischen Motor und Getriebe auseinander gezogen werden, dann kann die Kupplung demontiert werden.

Der Schlepper ist 1928 in der modernen Blockbauweise in Hannover hergestellt worden und relativ einfach zu zerlegen. Als die beiden Hälften auseinander gebaut waren, konnte die komplette Kupplung demontiert werden. Anschließend wurde die Kupplung mit Hilfe einer großen Spannvorrichtung in alle Bestandteile zerlegt. Die Lamellen und Reibscheiben hatten Rost angesetzt (im Ölbad!). Vermutlich waren sie zu heiß geworden.

Klaus ist in unserer Truppe der Mann für das Feine! Klaus hat eine ungeheure Ausdauer, wenn es um feine Ausdauerarbeiten geht. Er hat alle Scheiben mit Schmirgelpapier gereinigt und geglättet.

Die Einzelteile wurden mittels Spannvorrichtung wieder zusammengesetzt, dann die komplette Kupplung an das Getriebe geschraubt, und letztendlich beide Schlepperhälften wieder zusammengesetzt.

Parallel dazu wurden die Tanks gereinigt und in einer mehrstündigen Aktion wurde die ausgeschlagene Lenkung überarbeitet.

Ein Schlepper, zwei Hälften.

Die Schraubertruppe hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Der Schlepper läuft und fährt wieder, das Fahrzeug ist technisch und optisch ein echter Hingucker. Das Fahren macht einen Riesenspaß, das Starten meistens auch – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Der Schlepper durfte dann auch mit nach Meuween nach Belgien zur „Anno 1930 Tractorshow“ – Dr. Trecker 13. November

Für die Zukunft darf der Hanomag WD28 zwei- bis dreimal die Ausstellungshalle verlassen und dann artgerecht das Museumsgelände erkunden. Fahrzeuge sind schließlich zum Fahren da.

Euer Dr. Trecker alias Holger Hink

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Dr. Trecker

Alle 14 Tage berichtet Dr. Trecker alias Holger Hink vom Freilichtmuseum am Kiekeberg von aktuellen und bereits abgeschlossenen Restaurierungsprojekten. Unterstützt wird der Werkstattleiter bei seiner Arbeit von den „Mittwochs-Schraubern“ im Museum.

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