Wahl zum Traktormensch 2017: Jürgen gegen Martin

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Jürgen, Fahr D 180 H

Wie heißt es so schön? Der Mensch wächst an seinen Herausforderungen. Davon kann Jürgen Kramer ein Liedchen singen. Der Landmaschinenmechaniker aus Uelsen hat vor ein paar Jahren mit der Restaurierung seines Fahr D 180 H wahre Wunder vollbracht. Aber der Reihe nach. Es war das, was man ganz klassisch eine Schnapsidee nennt. In feucht-fröhlicher Kegelclub-Runde feierten Anke und Jürgen Kramer 2010 den 40. Geburtstag eines Freundes. Irgendwann kam das Gespräch auf dessen Schlepper, und Kramer verprach: „Für 500 Euro mache ich dir den fertig.“ Bald war der Handel perfekt: Kramer bekam den Schlepper geschenkt, sollte dafür aber auch alle Restaurierungskosten übernehmen, und die Jungfernfahrt musste zum ehemaligen Besitzer führen. Noch ein letzter Blick zu seiner Frau als Rückversicherung – doch die grinste nur keck und sagte: „Ja mach‘ doch.“

Die Feierstimmung war erstmal vorbei als der Haufen Schrott dann wenig später in das Carport neben dem Haus einzog. Der 24-PS-starke Zweizylinder-Traktor aus dem Baujahr 1954 war in einem desolaten Zustand. „Ich muss gestehen: Ich habe meinem Mann nicht zugetraut, dass er ihn wieder hinbekommt“, sagt Anke Kramer rückblickend. „Ich würde es kein zweites Mal machen“, sagt hingegen Jürgen Kramer selbst. 1.700 Arbeitsstunden und 3.500 Euro stecken im roten Traktor. Fünf Jahre lang verbrachte er mit der Restaurierung. Pünktlich zum 23. Historischen Feldtag 2015 in Nordhorn war er mit allem fertig. Wie versprochen ging die erste Fahrt zum ehemaligen Besitzer, der seinen Schlepper nicht wiedererkannte. „Er hatte Tränen in den Augen“, erzählt Kramer. Aber auch für den Restaurator war das ein großer Augenblick. Den Katalog von Nordhorn hat Jürgen Kramer zur Erinnerung fein säuberlich in dem Ordner abgeheftet, in dem er auch alle Belege über die Ersatzteile gesammel hat.

Der Fahr D 180 H in Kürze:
Bauzeit: 1954 bis 1959
Motor: luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Dieselmotor von MWM, Typ AKD 12 Z
Hubraum: 1.810 cm³
Leistung: 24 PS bei 2.000 Umdrehungen/Minute
Getriebe: Fahr Typ F9 mit 5 Vorwärts- und 1 Rückwärtsgängen
Höchstgeschwindigkeit: 20,5 Kilometer pro Stunde

Martin, Güldner A 20

Als Martin Huber vor drei Jahren seine Freundin kennenlernte, besaß er bereits zwölf Güldner-Traktoren. „Sie fragte mich, ob ich immer so viele Trecker kaufe, was ich verneinte.“ Der 27-Jährige schmunzelt und erzählt dann weiter: „In genau dem Jahr habe ich dann 17 weitere Güldner gekauft. Wir sind damals fast jedes Wochenende mit dem Anhänger ausgerückt, um wieder einen zu holen.“ Inzwischen hat er in Vilsbiburg in Niederbayern eine stattliche Sammlung aufgebaut: 60 Fahrzeuge von Güldner, darunter neben Schleppern auch Hydrocars oder Walzen. Zehn seiner Fahrzeuge sind schon in Nordhorn angekommen, dort werden sie Teil der großen Güldner-Vorführung sein. Der A 20, der Schlepper mit dem die Aschaffenburger in die Traktorbranche eingestiegen sind, wird am Montag verladen und Richtung Niedersachsen fahren.

Den 20-PS-starken Einzylinderschlepper mit dem Güldnermotor 1 F hat Huber vor ein paar Jahren im Internet entdeckt und vom Fleck weg in der Nähe von Dresden gekauft. „Er war in einem guten Originalzustand, mal abgesehen von den Trabbi-Felgen vorne, die ich natürlich ausgetauscht habe, und dem fehlenden Schalthebel“, erzählt der Niederbayer. Ebenso wie den allerersten Güldner besitzt er übrigens auch den allerletzen, den G 75. „Mir sind beide genau so lieb, das ist lebendige Geschichte“, sagt Martin Huber. In seinem Güldner-Museum können Liebhaber der Marke und alter Traktoren viele seltene Stücke bestaunen. Woher kommt diese Liebe zu Güldner? „Mein Opa war Mitglied der Vorführkolonne in Aschaffenburg. Er hat mich schon als kleiner Bub immer mit zu Treffen genommen“, erzählt er. Die alten Fahrzeuge erhalten und pflegen und anderen die Geschichte vermitteln, das sind seine Ziele. Sogar einen eigenen Feldtag hat er dafür voriges Jahr schon organisiert. Eine Neuauflage ist bereits in der Planung.

Der Güldner A 20 in Kürze:
Bauzeit: 1927 bis 1942
Motor: Einzylinder-Dieselmotor Güldner 1 F
Hubraum: 1.558 cm³
Leistung: 20 PS bei 1.500 Umdrehungen/Minute
Getriebe: Prometheus oder ZF mit 4 Vorwärts- und 1 Rückwärtsgängen
Höchstgeschwindigkeit: 12,8 bis 15 Kilometer pro Stunde

Wer soll eine Runde weiterkommen? Stimmt am 4. August zwischen 9 und 22 Uhr ab. Entweder auf unserer Facebook-Seite, der Seite von LandwirtOnline24 oder hier als Kommentar: „Jürgen“ oder „Martin“ genügt, dann zählen wir die Stimme mit. Achtung: Es dauert einen kleinen Moment, ehe der Kommentar freigeschaltet ist. Und natürlich zählen wir nur eine Stimmabgabe je IP- bzw. E-Mail-Adresse. Und wir freuen uns auch über neue Likes für die Facebook-Seiten.

Mehr zum Ablauf der Wahl lest ihr hier.

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